18.01.2012 Wandern bei den Runddörfern der Hakka

Aus RTW

Übernachtung im Tulou - Müllkippen in Dorfbächen - Einladung zum Tee - Wanderung nach Gaobei - Einladung zum Mittagessen - Wanderung und Anhalterfahrt nach Tianluokeng - Besuch der Hongkeng Tulou Gruppe

Am 15.01.2012 hatten wir endlich das Gebiet der Hakka-Tulous bei Yongding erreicht. Am Bus wurden wir, wie so oft, von einer jungen Hotelbesitzerin angesprochen, die ihr Hotel direkt gegenüber der Bushaltestelle betreibt. Da das Haus auch im Lonely Planet erwähnt wird, wussten wir, dass sie auch Zimmer in einem Tulou für budgetschonende 40 RMB anbietet, für welches wir uns kurzerhand entschieden.

Tulous sind große kompakte Häuser, in den bis zu 1000 Menschen leben können. Meist rund oder oval, sehen sie von außen wie Festungen aus und haben nur ein bis zwei Tore zur Außenwelt. Die Außenmauer besteht aus Lehmziegeln und kann mehrere Meter dick sein. Dagegen ist die gesamte Innenkonstrucktion aus Holz. Im Inneren befinden sich auf mehreren Etagen (bis zu fünf Stück) Zimmer, die durch einen Laufgang mit Blick auf den Innenhof verbunden sind. Der Innenhof ist, je nach Durchmesser des Tulous, ebenfalls konzentrisch mit kleinen Häusern bebaut, die entweder bewohnt sind oder für Tiere, Küchen oder Schulräume verwendet werden. Meist befindet sich auch ein Brunnen im Tulou und kann so bei Belagerung Autarkie sichern. Gegenüber dem Haupteingang befindet sich, entweder in einem Häuschen oder im äußersten Ring, ein Raum mit einem kleinen Altar und einer Ahnengalerie, da die Rundhäuser meistens von einem Clan bewohnt werden. In der untersten Etage befinden sich die Aufenthalts- und Küchenräume der Familien, während in den oberen Etagen Vorräte gelagtert und gewohnt wird. An sich haben die Tulous alles Lebensnotwendige vereint und die dicken Mauern schützten vor Überfällen und wilden Tieren. Tagsüber sitzen am Eingang die Altvorderen und beobachten, wer ein und ausgeht und am Abend werden noch immer die Tore verschlossen, so dass ein unbemerktes Eindringen nicht möglich ist. Inzwischen sichert diese Methode ebenfall einen nettes Nebeneinkommen neben dem Farmbetrieb, da man für die Besichtigung von besonders alten und schönen Tulous, die in ihrer Gesamtheit seit 2008 zum UNESCO Weltkulturerbe zählen, Eintritt zahlen muss. Unverständlich ist, dass scheinbar Sanitäranlagen in einem Tulou nicht vorgesehen sind. Dafür stehen vor fast jedem Zimmerchen in den oberen Stockwerken riesige tönerne Übertöpfe, die als Toilettenersatz , gut sichtbar von allen Seiten, herhalten aber scheinbar selten geleert werden. Wie das bei dem zusammenkommenden Gewicht gelöst wird, mussten wir, gottseidank, nicht beobachten. In manchen Tulous wurden in der Mitte nachträglich Duschkabinen installiert, deren Abwasser aber nach wie vor, gemeinsam mit den Küchenabfällen, durch Rinnen im Boden durchs Tulou fließen. Die Region um Yongding haben wir mit zwei Hoffnungen besucht; zum einen wollten wir die Kultur der Hakka-Minderheit kennenlernen und zum anderen mit der Aussicht auf ein bisschen Wandern, was sich bisher in China nur schwer umsetzen ließ. Am ersten Tag, nach unserer Ankunft, erkundeten wir erst einmal Liulian - was in gut fünf Minuten erledigt war - und spazierten zum Eingang der kostenpflichtigen Hongkeng Tulou Gruppe. Nach einer Portion Hakka-Tofu mit Reis, leisteten wir in Sachen Wanderstrecken erste Aufklärungsarbeit und liefen durch hartneckigen Rieselregen zum nächsten Ort, durch den wir am nächsten Tag nach Gaobei hindurch wollten, jedoch noch ob des Weges unsicher waren. Nach zahllosen staunenden Blicken der Einheimischen wurden wir am Ende des Dorfes, scheinbar vorgeschickt, von einem jungen Mann angesprochen, der leidlich Englisch sprach und uns nach kurzer Vorstellung freundlich auf einen Tee eingelud. Unsere erste Teezeromonie - gratis, freiwillig und 100% authentisch! Nach gut einer Stunde und einigen Fragerunden mit den Familienangehörigen machten wir uns, trotz 3 Grad Celsius und Sprühregen, guter Dinge für den nächsten Tag zurück auf in unsere Bleibe.

Liulian - Gaobei

Am nächsten Tag stärkten wir uns erstmal bei gebraten Nudeln in dem Restaurant unser Tulouvermieterin bevor wir uns auf den Weg nach Gaobei aufmachten. Eigentlich führt nach Gaobei eine Straße, über die man den Ort nach fünf Kilometern Marsch oder einer 3 RMB Busfahrt erreichen kann. Daher führte unsere Frage nach einem Wanderweg abseits der Straße und unser Unterfangen nur auf Unverständnis und ohne genauen Plan machten wir uns auf den Weg. Diesmal lehnten wir die abermalige Einladung zum Tee in Huwulu dankend ab und gingen bis zum Ende des Dorfes. Mit dem Erreichen des letzten Hauses endete leider auch der Weg abruppt, so dass wir die Bewohner des Hauses nach Rat fragten. Während uns die Älteren scheinbar zurück schicken wollten, meinte ein Jüngerer, dass wir über die Felder weiter gehen können. Also folgten wir einem Trampelpfad, der entlang der Terassen in einer Talkehle langsam bergan führte. Unvermutete holte uns dann jedoch die ältere Frau aus dem letzten Haus ein und übernahm nach kurzer Zeit die Führung, was sich in Anbetracht des immer weniger ausgetretenen Pfades als notwendig erwies. Nachdem schon fast kein Weg mehr erkennbar war, wurden wir - das Angebot auf einen Bambus-Wanderstock lehnten wir mit Hinweis auf unsere neumodischen Alu-Spieße dankend ab - verabschiedet, eine steile und rutschige Böschung heraufgeschickt und plötzlich standen wir wieder auf einem gut ausgetretenen Pfad, der uns sicher und zügig bis zum Pass, mit kleinem Tempelchen, wie sie häufig markante Wegpunkte markieren, führte, von dem es wieder bergab nach Gaobei ging. Auf dem Weg berab, mit Blick auf die Tulous, trafen wir überraschend viele Einheimische die fleißig irgendwelche Sachen in Körben und Beutel an Stangen den Berg herauf trugen und freundlich grüßten. Recht schnell waren wir im Ort angekommen und fanden Unterkunft in einem Tulou mit modern zurechtgemachten Zimmern, mit Fernseher, und Toilettenhäuschen vor den Toren und Dusche im Innenhof. Das Qingyu Lou (Tulou) stammt aus dem Jahr 1885, hat eine Grundfläche von 1500 m² und insgesamt drei Etagen mit 36 Räumen und zwei Hallen im Erdgeschoss und jeweils 40 Räumen in der ersten und zweiten Etage. Den Rest des Tages spazierten wir durch den Ort und stiegen auf die höher gelegene Aussichtsplatform. Unsicher ob den Preis wert, entschieden wir uns gegen die Besichtung des größten Tulous, Chengqi Lou oder auch König der Tulous. Zum einem strömten massenweise Touristen hinein und zum anderen bezweifelten wir, dass wir dort anderes, bzw. so authentisches Leben, zu sehen bekamen, als in den verschiedenen Tulous, in den wir übernachteten. Dafür gingen wir, kostenfrei, in den Qiaofu Lou, in dem man ebenfalls übernachten kann und der einer Professor gehört, der jeden Besucher stolz zu seiner Ahnengalerie führt. Abgesehen vom riesigen Chengqi Lou hat Gaobei nicht mehr zu bieten als jedes anderes chinesisches Dorf, abgesehen von dem leicht überteuerten Essensangebot und den zahlreichen Souvenierständen. Am Rande des Ortes führt nun auch noch eine Schnellstraße durch, die das idyllische Bild der umgebenden Felder und sicher so manchen Bauern ruiniert hat. Da tut es einem schon leid, wenn man einen alten krummen Mann beobachten kann, der über die Schütthaufen am Straßenrand klettern muss um an sein kleines Gemüsebett zu kommen ... und das damit die Touristenbusse schneller vorfahren und die Attraktionen schneller abarbeiten können?

Gaobei - Tianloukeng Tulous - Gaobei - Liulian

Da auch wir noch mehr Tulous sehen wollten, hatten wir uns vorgenommen zu einem weiteren Ort zu wandern, zur Tianluokeng Tulou Gruppe, die am meisten fotografierten Tulous. Da es keinen öffentlichen Bus zu dieser Gruppe gibt, bieten viele Unterkünfte und Motorradfahrer an, Touristen für 180 bis 200 RMB dort hinzufahren, uns natürlich viel zu teuer. Leider konnten wir, nach vorsichtiger Nachfrage, auch mit den chinesischen Sätzen aus dem Lonely Planet, nicht verständlich machen, dass wir uns das nicht leisten wollen, und somit stand dann doch tatsächlich wieder ein Motoradfahrer wieder vor unsere Tür und wollte uns auf sein Gefährt laden. Obwohl sein aus Korb geflochten Helm sehr beeindruckend war, lehnten wir abermals ab und damit gaben wohl auch die Tuloubewohner auf. Also ging es, mit Hilfe des der GPS-Koordinaten auf Schusters Rappen los. Am Anfang konnten wir noch gut den Pfaden zwischen den Felden folgen, doch dann gab es plötzlich nur noch Bambuswald, durch den wir uns an einem recht steilen Hang durchkämpften. Leider half uns der Schotterweg, auf den wir dann trafen auch nicht weiter, da er nicht in die von uns gewünschte Richtung führte und der Blick auf die vor uns liegenden Berggrate nahm uns so fast jeden Mut unser Ziel überhaupt zu erreichen. Nach dem wir erstmal wieder ins nächste Tal abgestiegen waren, wurden wir im Ort von einem jungen Mädchen gefragt, wohin wir unterwegs sein. Als jedoch ihr Englisch nicht mehr ausreichte, führte sie uns zu einem jungen Mann, der sich als IBM-Angestellter mit ausgezeichneten Englischkenntnissen entpuppte. Da er gerade mit dem Auto nach Xiamen fahren wollte, bot er an, uns zur Tianluokeng Tulou Gruppe mitzunehmen, bei der er vorbei fahren würde. Zusammen mit seinem Bruder ließ er gerade einen neuen Familiensitz erbauen und ganz in Frühjahrs-Fest-Laune ludt er uns zum reichhaltigen und vielfältigen Mittagessen ein. Verschiedenste Gerichte wurden auf einer Drehscheibe arrangiert, und wir aßen zusammen mit seinen Bauarbeiten. Anschließend ging es mit dem Auto, vorbei an unseren ersten Teefeldern, Richtung unseres Endzieles, leider jedoch nicht so, wie von uns erhofft. Nachdem er uns an einer Straßenkreuzung aus dem Auto ließ, verriet uns das GPS, dass wir noch immer genauso weit von den Tulous entfernt waren, wie bei ihm zu Hause. Er hatte uns lediglich einmal um den Berg gefahren und zu einer Fahrstraße gebracht, die direkt dorthin führte. Etwas enttäuscht, und besorgt um die Machbarkeit der Rückkehr am selben Tag, marschierten wir also die Straße hinauf mit Blick auf die scheinbar entlosen Serpentinen durch Orangen- und Pampelmusenfelder. Nach den ersten Kurven wurden wir von einem mehrsitzigen Golfbuggy überholt, deren Beifahrer uns einludt ein Stück mit zu fahren. Das Ziel schien jedoch der Einkauf von Pampelmusen direkt vom Bauern, so dass wir nach ein paar Kilometern und wertvollen Höhenmetern wieder herausgelassen wurden und weiter unseren Weg gingen. Den Rest des Weges, über einen Pass und durch ein Dorf, legten wir also wieder zu Fuß zurück, versüßt durch eine Pampelmuse, die uns direkt vom Baum in die Hände gefallen war - eine weiter Premiäre.

Dann endlich erreichten wir die Tulous von Tianloukeng! Beziehungsweise, wir sahen sie durch dichtes Gestrüpp unter uns liegen. Leider war es inzwischen schon so spät, dass sich der Eintritt für saftige 100 RMB pro Person nicht mehr recht gelohnt hätte, zu dem wir auch noch einen beachtlichen Rückweg von mehreren Stunden vor uns hatten. Leider konnten wir die Wärter nicht überreden uns ohne Eintritt wenigstens für das Foto, was man auf sämtlichen Werbeplakaten bewundern kann, auf die Plattform zu lassen. Eine ältere Dame versuchte zwar noch, uns Tickets unter der Hand für den halben Preis zu verkaufen, aber wir lehnten dankend ab. Stattdessen machten wir uns auf zum Abstieg nach Youchanglou, immer an der Straße entlang, dafür mit guten Blick auf die Tulous dieser Gruppe. Die Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit schwand immer mehr, da ganz offensichtlich die Besucherzeit vorbei war und der Verkehr auf der Straße immer weniger wurde. Nach guten sechs Kilometern tauchte mitten im Nichts ein Wachhäuschen am Straßenrand auf, aus dem auch gleich mehrere Mitarbeiter kamen um Tickets zu kontrollieren. Tickets, die wir nicht vorweisen konnten und von deren Notwendigkeit wir auch nichts wussten. Der Eintritt zum folgenden Dorf, Taxia, gehört wohl mit zum Kombinationsticket, welches man bei den Tiakuleng Tulous kaufen soll, was wir jedoch nicht getan hatten. Auf dem GPS zeigten wir ihnen, dass unser eigentliches Ziel Gaobei ist und wir, leicht im Stress, zu Fuß unterwegs sind, so dass sie uns nach einer kurzen Diskussion passieren ließen. Noch während wir überlegten, dass unsere geplante Rückkehr nach Liulian, also noch eine weitere Stunde Eilmarsch von Gaobei, auf Grund der nahenden Dämmerung gefährdet war, zeigte sich das Universum gnädig, ein Auto hielt neben uns und lud uns zur Weiterfahrt ein. Zwei junge Männer fuhren uns duch Taxia (malerisch, aber sehr touristisch hergerichtet, mit Jugendherberge) und dann sogar bis Gaobei, so dass wir viel eher dort waren, als gehofft. Schnell holten wir unsere Rucksäcke aus dem Tulou, wo wir die letzte Nacht verbracht hatten, bekamen einen kurzen aber blutigen Einblick in das gerade stattfindende Schweine-Schlachtfest (man schächtet), und waren pünktlich, eine Stunde vor Einbruch der Dämmerung wieder auf dem Weg. Wir gingen anfänglich den gleichen Weg zurück zu unserem Startort, Liulian, diesmal jedoch folgten wir dem richtigen Pfad nach Huwulu, den wir bei der Anreise nur mit Hilfe der Farmersfrau gefunden hatten. Diesmal war der Durchmarsch durch Huwulu schon fast wie ein Wiedersehen mit Bekannten. Die Dorfbewohner winkten freundlich, sichtlich erfreut, dass wir heil mit unseren riesigen Rucksäcken zurück waren. Die Essenseinladung mussten wir jedoch ablehnen, da es immer dunkler wurde und es noch ein Stückchen bis Liulian war.

In Liulian gingen wir im vermeintlichen Schutz der Dunkelheit zum Ausgang des Bereiches der Hongkeng Tulou Gruppe, da wir gehofft hatten, dass wir dort kostenfrei hereinkommen, wenn wir dort abends nach Unterkunft fragen, die von einem Hostel in einem der Tulous angeboten wird. Leider wurde unser Plan erfolgreich zerschlagen, ohne Ticket gibt es auch Nachts keinen Eintritt und das Wachhäuschen scheint rund um die Uhr besetzt zu sein. Daher entschlossen wir uns doch außerhalb des Geländes in einem Tulou zu übernachten, was zum sogannten Backpacker Hostel gehört. Obwohl uns das Hakka-Tofu im Hostel ganz gut geschmeckt hat, war nun, da wir Übernachtsgäste waren, alles nicht mehr so angenehm. Während uns ein Mann noch eine Dusche anbot, wusste davon seine Frau nichts mehr, als wir mit Handtüchern und Waschtaschen vor ihr standen. Auch war die Nasszelle, das Restaurantklo, eine Kombination aus asiatischer Toilette und Dusche, nur mit kaltem Wasser versehen, wenig einladend. Mit Aussicht auf eine heiße Dusche in Longyan am nächsten Tag, beließen wir das Ganze bei einer Katzenwäsche und zogen uns wieder in unser Holzzimmerchen im Tulou zurück und freuten uns über die Null-RMB-Bilanz des Tages. Zu Fuß und dank netter Chinesen hatten wir es bis zu den Tiakouleng Tulous geschafft, viel von der Natur gesehen, konnten uns satt essen, Pampelmusen klauen, und haben so sicher mehr erlebt als eine 200 RMB Motorradtour geboten hätte.

Hongkeng Tulous - Longyan

Leider war das Wetter an den vergangenen Tagen nicht so schön gewesen. Zwar gab es nicht den angekündigten Regen, doch war der Himmel stets bedeckt. Am dritten Tag jedoch schien plötzlich die Sonne und wir besichtigten die Hongkeng Tulou Gruppe bei warmen 16 Grad. Die Hongkeng Tulous haben sicher einmal zum Ort Liulian gehört oder andersherum. Auf Grund der Bebauungsdichte mit Tulous und der teilweise gut erhaltenen Gebäude, zahlt man nun Eintritt und besichtigt die Gruppe wie ein Freilichtmuseum mit Statisten, die den ehemaligen Alltag nun nachstellen. Nahezu an jedem Eingang der Tulous sitzen jedoch junge Frauen und drehen fleißig Zigaretten aus dem heimischen Tabak zum Verkauf und in den Tulous selbst reiht sich eine Teestube an die Nächste, zwischendurch gibt es Postkarten und sonstige Souveniers. Im größten Tulou der Gruppe bieten die Anwohner, entgegen dem Hinweisschild am Eingang, den Besuch der oberen Etagen gegen ein kleines Endgeld an. Eigentlich sind die oberen Etagen, die einen schönen Blick auf die Struktur des Tulous bieten, für Touristen gesperrt um die Privatsphäre der Anwohner zu schützen. Lediglich in einem etwas abgelegenen Tulou trafen wir auf eine scheinbar unvoreingenommene Anwohnerin, die gerade, mittig im Tulou, Reisschnaps aus Reiswein brannte. Dafür wurde der Wein in, mit matschgefüllten schüsselchen teilweise abgedeckten, Tongefäßen, umgeben von glühenden Holzspänen, stark erhitzt. Dahinter kamen wir jedoch erst, als sie uns eine kleine Kostprobe von dem heißen Getränk anbot (wie wird der Matsch wohl schmecken?), bis dahin hatten wir allerhand spekuliert, wir auf Deutsch, sie auf Chinesisch. Trotzdem muss man klar sagen, dass das authentische Leben in den Tulous nur außerhalb des kostenpflichtigen Gebietes zu sehen ist, auch wenn das teilweise bedeutet, dass die Tulous nicht mehr komplett bewohnt und nicht gepflegt oder sauber sind - so jedenfalls in Liulian. In Gaobei dagegen waren alle Tulous sehr ordentlich und schienen durchweg bewohnt.

Fazit

Die jahrhundertalten Toulus sind ohne Frage sehr beeindruckend und den Menschen, die darin leben, kann man für ihre Lebensweise, die ja doch recht beengt und ohne Privatsphäre ist, nur Respekt zollen. Natürlich kann man die Orte mit den bekanntesten Tulous bequem über eine geführte Tour im Bus oder auf dem Motorrad abarbeiten. Aber einen viel besseren Eindruck bekommt man, wenn man gleichzeitig die Gegend zu Fuß erkundet. Die Landschaft ist sehr hügelig bis bergig und, soweit möglich, Landwirtschaflich genutzt. Auf schmalen Pfaden kann man auf den Terassen zwischen Felden laufen oder sogar so manchem Schotterweg folgen. Leider ist die Orientierung in der Gegend nur sehr schwer möglich. Gut auflösende Wanderkarten gibt es keine, da die Wege kaum offiziell zum bewandern beworben werden. Trotzdem freuen sich die meisten Anwohner, wenn man ihnen begegnet und böse Worte oder gar ein Verweis vom Weg haben wir bisher nie erhalten. Obwohl wir mit Hilfe von GoogleMaps die Umgebung so gut wie möglich studiert haben, und die GPS-Daten von den meisten Orten gespeichert hatten, sind die Wege, die man im Satellitenbild erkennen kann, kaum noch aktuell. Zu schnell verändert sich die Lage, neue Straßen entstehen und halbe Berghänge werden dafür abgetragen. Auch so manchen Pfad, auf den wir von Anwohner geschickt wurden, konnten wir nicht finden, da die alten Wege selbst von den Anwohnern immer weniger genutzt werden - sie fahren nun lieber mit dem Moped. Trotzdem bietet die Umgebung tolle Wandermöglichkeiten. Fast immer, wenn man über einen Kamm kommt, tauchen im Tal Tulous auf und die Anwohner der Dörfer zeigen ihren Respekt vor den Rucksäcken und der gewählten Fortbewegungsmethode und Unterkunft kann man sicher nahezu überall erfragen. Wir werden wohl wieder kommen.

Videos

Karten

Fakten

Liulian

  • Bus von Longyan nach Liulian kostet 22 RMB (Versicherung explizit ablehnen, sonst kostet es mehr)
  • Übernachtsmöglichkeiten gibt es viele. Möchte man in einem Tulou schlafen, kann man entweder beim Renjia Hotel (DZ 40 RMB) oder in der Backpacker Station (DZ 50 RMB) anfragen, beide in der Nähe des Busstopps
  • Für die Rückfahrt, nach z.B. Longyan, muss man Tickets im Shop gegenüber dem Busstopp, nahe des Hongkeng-Ausgangs, kaufen (Ladenschild weißt auf Ticketverkauf hin)
  • Hongkeng Tulou Gruppe, Eintritt 70 RMB (Nebensaison? Angeschlagen stehen 90 RMB)
  • Angebot für Tagesausflug auf Motorrad nach Tianloukeng für 180 RMB für zwei Personen (Renjia Hotel)

Gaobei

  • Übernachtung im Qingyu Lou möglich, 80 RMB Doppelzimmer mit Fernseher, Dusche im Tulou, WC davor
  • Angebot für Tagesausflug auf Motorrad nach Tianloukeng für 200 RMB für zwei Personen. (Qingyu Lou). Der höhere Preis ist widersinnig, da die Entfernung von hier geringer ist, als von Liulian.
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